Anton Graf von Arco auf Valley

Wurde am 5. Februar 1897 in St. Martin im Innkreis als Sohn des Maximilian Graf Arco-Valley (1849–1911) und dessen Frau Emmy Freiin von Oppenheim (1869–1957) aus der Bankiersfamilie Oppenheim geboren.

Nach einem Jurastudium trat er in die bayrische Armee ein und wurde zum Leutnant  des bayerischen Leibregiments befördert.

Anton von Arco als Soldat während des Ersten Weltkrieges Quelle: Wikipedia

Graf Arco war Mitglied der antisemitischen Thule-Gesellschaft, die ihn aber wegen der „jüdischen Herkunft“ seiner Mutter ausschloss.

Die Thule-Gesellschaft

war ein politischer Geheimbund, von Rudolf von Sebottendorf in München im August 1918 gegründet und hatte zu dieser Zeit etwa 1500 Mitglieder. Der Name bezog sich auf die angeblich sagenhafte Insel Thule. Germanischer ging es also nicht mehr und entsprechend war auch die politische Ausrichtung dieser feinen „Gesellschaft“.

Ausrichtung hieß: Man war antisemitisch und national eingestellt, Bekämpfte die so genannte Novemberrevolution von 1918 und in Bayern den von Kurt Eisner (USPD) ausgerufenen „Freien Volksstaat Bayern“, sowie die nachfolgende Münchner Räterepublik. Die Gesellschaft residierte übrigens im Münchener Luxushotel „Vier Jahreszeiten“. Ihr Motto: „Halte dein Blut rein“ und „Bedenke, dass du ein Deutscher bist“, die Grußformel der Mitglieder untereinander war „Heil und Sieg“, das kommt einem doch bekannt vor.

In ihrem Propagandaorgan „Münchner Beobachter“ (später von der NSDAP übernommen und in „Völkischer Beobachter“ umbenannt) bezeichnete man die Juden als „Todfeinde des deutschen Volkes“ die „Zustände in der Räterepublik verdanke man einer jüdischen Weltverschwörung“. Nach der Vertreibung aller Juden aus Deutschland sollte das Reich eine Diktatur werden, man war also schon nahe dran am späteren III. Reich.

So genannte „Gäste“ der Thule Gesellschaft waren  Alfred Rosenberg, Rudolf Heß und Hans Frank.

„Der ewige Jude“ Quelle: Wikipedia

Am 30. April 1919 wurden sieben Thule-Mitglieder durch die räterepublikanische Militärpolizei, darunter Prinz Gustav Franz Maria von Thurn und Taxis und drei weitere Adlige erschossen. Zur Bedeutung der Thule-Gesellschaft schreibt der Historiker Nicholas Goodrick-Clarke:

„Aufgrund ihrer Propaganda und ihrer konterrevolutionären Tätigkeit, aber auch wegen des Märtyrertodes der Geiseln spielten die ‚Thule-Gesellschaft‘ und der „Germanenorden“ eine bedeutende Rolle beim Entstehen einer aufgeheizten und emotionsgeladenen Atmosphäre, in der extreme Bewegungen wie der Nationalsozialismus gedeihen konnten.“

Im Jahre 1925 löste sich die Gesellschaft auf und 1932 wurde sie aus dem Vereinsregister gelöscht.

Zurück zum „Grafen“ und ich frage mich, was aus seiner Mutter geworden wäre, wenn bereits in diesen Jahren alle „Juden“ ermordet worden wären. Nach seinem Ausschluss wollte er wohl seine richtige Gesinnung beweisen und so ermordete er am 21. Februar 1919 den bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner auf dem Weg in den Landtag. Zu seiner Rechtfertigung behauptete er:

„ … „Eisner ist Bolschewist, er ist Jude, er ist kein Deutscher, er fühlt nicht deutsch, untergräbt jedes vaterländische Denken und Fühlen, ist ein Landesverräter.“

Anfang 1920 wurde er zum Tode verurteilt, allerdings führte der politisch rechtsstehende Richter Georg Neithardt in seiner Urteilsbegründung bereits aus, dass die Tat seiner Meinung nach durchaus „nicht niederer Gesinnung, sondern glühender Liebe zum Vaterland“ entsprungen sei und einen Tag nach Urteilsverkündung begnadigte der Justizminister den Grafen und die Todesstrafe wurde in eine als ehrenhaft geltende Festungshaft umgewandelt.

Graf Arco saß seine Strafe ab Januar 1920 in der Festung Landsberg am Lech ab, in der ab 1923 auch Adolf Hitler einsaß. Er durfte dabei nach Belieben ausgehen und Besuche empfangen und am 13. April 1924 wurde Graf Arco vorzeitig auf Bewährung entlassen. 1927 folgte aus Anlass des 80. Geburtstags des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg seine endgültige Amnestie, ungeheuerlich, aber sie passte zum damaligen Zeitgeist und insbesondere zu Hindenburg.

Nach seiner Haftentlassung gehörte Graf Arco zu den radikalsten Mitgliedern des monarchistisch-föderalistischen Flügels der Bayerischen Volkspartei (BVP). Die Nationalsozialisten beäugten ihn hauptsächlich wegen seiner „jüdischen Abstammung“ misstrauisch und am 13. März 1933 wurde er in „Schutzhaft“ genommen, weil er unter Bezugnahme auf Hitlers zentralistische Innenpolitik bemerkt hatte, ebenso gut wie Eisner könne er auch einen anderen erschießen.

Dank der Fürsprache des letzten bayerischen Kronprinzen Rupprecht von Bayern (* 18. Mai 1869 in München; † 2. August 1955 in Schloss Leutstetten bei Starnberg) wurde er im gleichen Jahr wieder freigelassen, blieb jedoch unter Beobachtung.

Seit 1934 war Graf Arco verheiratet und hatte fünf Kinder. Am 29. Juni 1945 gab es in der Nähe von Salzburg einen Autounfall beim Überholen eines Pferdefuhrwerks. Er starb am 29. Juni 1945 in Salzburg, sein Leichnam wurde in Sankt Martin im Innkreis im Familiengrab beigesetzt.

Familiengrab Arco auf dem Kalvarienberg in Sankt Martin im Innkreis Quelle: Wikipedia

Fredi Henschke hat also in seinem Gedicht „Republik-Feindlichkeit“  ein „feines Mitglied“ dar damaligen Gesellschaft beschrieben, aber der Graf war beileibe keine Ausnahme.

Will ich ihn in das Rechtssystem der Bundesrepublik übertragen, fallen mir nur die Morde der RAF ein.