Dem Traum folgen

Das Leben der Schauspielerin Carola Neher und ihre Liebe zu Klabund

Tita Gaeme

Erschienen 1969  im Dittrich Verlag Velbrück GmbH Bücher & Medien –
53919 Weilerswist-Metternich

https://www.velbrueck.de/dittrich/

Vorwort von Georg Becker, dem Sohn von Carola Neher

ISBN 3-920862-11-2

Inhalt:

Carola Neher gehört zu dem neuen Frauentypus, der in den Zwanziger Jahren zuerst am Theater modern und dann auch zum weiblichen Leitbild der Gesellschaft wird. Schlank, biegsam, mit langen Beinen, sachlich, mit kapriziöser Verve, tän­zerischer Virtuosität und berechnen­der Erotik betört sie Männer und setzt deren Begeisterung für ihren Karriere-Ehrgeiz ein. Das offene Be­kenntnis, der nüchterne Blick, Lust am Erkämpften und Erlebten sind ihre Ausdrucksformen der Moder­nität. Carola gehört schon zur Gene­ration der Neuen Sachlichkeit. Als der tuberkulosekranke Klabund 1924 die Schauspielerin Carola Neher in München kennenlernt, ist er ein berühmter Dichter, doch es bleiben ihm nur noch vier Jahre zu leben. Berlin ist in den Zwanziger Jahren das Zentrum der Theater- und Lite­raturszene. Dorthin muss jeder, der daran teilhaben will. Und hier explo­diert Carola Nehers Ruhm. Das Leben in der Stadt pulsiert, es ist ein Tanz auf dem Vulkan. Klabunds Krankheit erscheint als Metapher die­ser Gefährdung. Die Ahnung seines nahen Todes macht beide empfind­sam für die Signale der drohenden Katastrophe, die auf die unruhigen Zwanziger Jahre folgen wird, und ihr Lebenshunger hat viel mit dieser Ahnung zu tun. Als Klabund im Som­mer 1928 stirbt, hat Carola Neher den wichtigsten Menschen in ihrem Leben verloren. Sie stürzt sich in die Arbeit, spielt Theater, dreht Filme. Sie wird Brechts Wunschbesetzung für die Polly in der „Dreigroschen­oper“, für Lilian Holiday in „Happy End“ und seine „Heilige Johanna der Schlachthöfe“.

Des Lebens der linken Schickeria über­drüssig, heiratet sie 1932 einen jun­gen kommunistischen Ingenieur und geht mit ihm 1933 nach Moskau. Ihr Schicksal steht stellvertretend für viele ihrer Generation: In brutaler Um­kehrung der revolutionären Erwartung endet ihr Leben 1942 in einem sowjetischen Gefangenenlager.

Tita Gaeme – 1975-93 Verlegerin des Prometh-Verlags (Theater-, Foto-, Film- und Kunstbücher). Seit 1988 Theaterarbeit in Bonn, Köln und Wuppertal als Künstleri­sche Direktorin, Dramaturgin und Regisseurin. Rundfunk- und Fernsehautorin, Her­ausgeberin und Autorin von mehreren Büchern.