Am Anfang

Klabund – Liebling oder Star der Literaten,  Intellektuellen und Theaterleuten der goldenen 20er Jahre  war lange Jahre „Mega out“. Seit ein paar Jahren aber erinnert man sich und schätzt ihn wieder.

Klabund als Achtundzwanzigjähriger Quelle: Briefe an einen Freund Herausgegeben von Ernst Heinrich im Verlag Kiepenheuer & Witsch Köln Berlin

Ihn und seine Kreise nannte man in der Weimarer Republik „Salonkommunisten“, zu Unrecht, denn schaut man sich die damalige politische Lage an, waren „Salonkommunisten“ allemal ein gewaltiger Fortschritt in Richtung Demokratie und Menschenrechte.

Ein verlorener Weltkrieg, 17 Millionen Tote und  katastrophale wirtschaftliche Verhältnisse machten das Leben in Deutschland wenig lebenswert. Schuld daran ein politisch durchgeknallter Kaiser, zwei Militärdiktatoren – Hindenburg und Ludendorff – und nationalistische und antisemitische Kreise, Sie alle  haben sich nach verlorenem Krieg vom Acker gemacht und nicht minder überforderten  Politikern das Feld überlassen.

Die „Rechten“ gaben dank großzügiger Finanzierung den Ton an und das war ein garstig Lied. Genannt seien z.B. die Harzburger Front, ein Bündnis antidemokratischer Nationalisten und Rechtsextremisten. Ferner ein Bündnis zwischen NSDAP, DNVP, Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, Reichslandbund und dem Alldeutschen Verband. Sie vereinte ihre antidemokratische Haltung, Rache für den „Schandfrieden von Versailles“ (also erneut Krieg), ihr Antisemitismus und die Bereitschaft, notfalls mit Gewalt ihre Ziele durch zu setzen.

Einen „beachtlichen Erfolg“ kann man ihnen nicht absprechen. Putsche waren fast Alltagsgeschäft,  der Stahlhelm bildete eine  Parallel-Armee zur Reichswehr mit zeitweise über 500 000 Mitgliedern und vor Morden an Politikern schreckte man nicht zurück, genannt sei Rosa Luxemburg, (Freiheit ist immer die Freiheit der  Andersdenkenden, also auch meine), oder Karl Liebknecht. Insgesamt fielen bis 1924 fast 400 politische Gegner  rechtsradikalen und nationalsozialistischen Organisationen zum Opfer.

Ulrike Claudia Hofmann schreibt:

„ … Politisch motivierte Ermordung führender Protagonisten des öffentlichen Lebens durch links- bzw. rechtsextremistische Gruppen oder Einzeltäter. Ziel ist die Veränderung bzw. der Umsturz des bestehenden Staatswesens. Während der Weimarer Republik starben u. a. Außenminister Walther Rathenau (1867-1922) und Finanzminister Matthias Erzberger (1875-1921) bei Attentaten rechtsradikaler Vereinigungen, in Bayern kamen der provisorische Ministerpräsident Kurt Eisner (1867-1919) und der Führer der rheinpfälzischen Separatisten, Franz Josef Heinz (1884-1924), ums Leben. Der SPD-Politiker Erhard Auer (1874-1945) überlebte zwei Mordanschläge.“

Klabund und seine beiden Ehefrauen gehörten zu den Gegnern dieser rechten Front. Carola Neher, seine zweite Ehefrau bezahlte dafür mit ihrem Leben.

Quelle: Guido von Kaulla „Brennendes Herz“ Werner Classen Verlag Zürich & Stuttgart

Erinnerung an sie und den so genannten „Speckgürtel“ um Bert Brecht ist wieder angesagt, wenn sich Rechtsradikale in der Bundesrepublik ausbreiten, das Bundeverfassungsgericht eine Partei wie die NPD für  wenig einflussreich hält und sie nicht verbietet und sich in der Bundeswehr nicht erst seit 2017 rechtsradikales Gedankengut hält oder gar ausbreitet.

In diesem Sinne meine ich, es lohnt, Klabund und sein Umfeld zu beschreiben. Zumal er der Cousin meiner Oma war und ich mich über einen derartigen Verwandten freue, da ich es mit Stolz nicht so habe.

Republik-Feindlichkeit

Graf Arco ist ein Held – und hätten
Wir mehr von seiner Sorte: Tja
Wir brächen bald der Knechtschaft Ketten.
Hurrah Germania!

Er schoss von hinten seinen Gegner nieder
(Von vorne schießt so schnell kein Held:
Der*andere könnte wiederschießen)Brüder
Es lebt sich herrlich in der deutschen Welt.

Die Reichswehr wahrt mit staunenswerter
Milde
Die Ruh und Sicherheit im deutschen Land.
Sie salutiert vor jedem Kaiserbilde,
Dem Geist der Republike zugewandt.

Sie segnet unparteiisch Jud‘ und Christen.
Mit Handgranaten bricht sie freundlich ein
In die Versammlungen der wilden Spartakisten
(Zwar sind’s nur Pazifisten
und Mehrheitssozialisten:
Jedoch, wer wird so wählerisch im
Unterscheiden sein?)

Passau und Osnabrück
Sieg über Sieg.
Berlin und Insterburch
Durch Nacht zum Licht: hindurch.
Die Bombe platzt, der Knüppel saust und zischt.
Und Noske… weiß von nischt.

Wir sollen einen Präsidenten wählen.
Warum auch nicht?
Man wird die Stimmen zählen –
Die Stimmung nicht.
Auf Hindenburg sind wir besonders scharf.
Er ist ein Monarchist und wackrer Mann.
Bei seinem Kaiser fragt er untertänigst an,
Ob er die Präsidentschaft übernehmen darf.

Er hält den Platz ihm warm.
Bis eines Tags Alarm
Die Bürger aus den Betten scheucht
(Der einzige Spartakist entfleucht…)
Hurrah… hurrah… hurrah…
Das hehre Herrscherhaus ist da.

Natürlich will ich meinen Verwandten und seine politischen Ansichten auch „ausnützen“ für meine Verachtung gegenüber Rechtsradikalismus, Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit und Militarismus, klar genug hat sich Fredi ja geäußert.

Und eines ist mir für diese Seite auch noch wichtig: In allen bisher von mir gelesenen Büchern oder Seiten im Internet wird ein enormes Wissen über die damalige Zeit vorausgesetzt.

Das habe ich nicht und deshalb werde ich Zeitgenossen/innen und Stationen in Klabunds Leben beschreiben, die wichtig waren.

Oder kennen alle Leser dieser Veröffentlichungen z.B. Alfred Kerr, oder wissen, wo Crossen liegt?

Hartmut Deckert